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Die Grundlagen

2. Nadel des Kompasses

Handlungen, Gedanken, Grübeln … alles eine Form für sich und zeitgleich eine Form von Zwang. Die Basics rund um Zwänge erkläre ich dir in diesem Modul.

2.1 Welche Arten von Zwängen gibt es?

Arten von Zwängen

Zusätzlich zu meiner eigenen Beschreibung von Zwängen aus diesem Video findest du die Diagnosekriterien aus der klassischen Psychologie zum Nachschlagen im ICD-10 hier. Der ICD-10 ist dabei eine Art Symptomkatalog, der Psychologen hilft Diagnosen zu stellen. Ich verweise immer darauf wenn es um Diagnosen geht, dass nicht DU krank bist, sondern dass Diagnosen nur entwickelt wurden, damit die Krankenkasse es zur Kostenübernahme einer Therapie prüfen kann. Letztendlich ist es egal ob du eine gewisse Diagnose bekommen hast oder nicht – wenn du dich mit etwas nicht wohlfühlst, ist das Grund genug und muss nicht bewiesen werden. Genau so wie eine Diagnose NICHT bedeutet, dass du gestraft bist ein Leben lang damit rumzulaufen. Ich sag gerne, dass psychische Krankheiten eine gesunde Reaktion auf ungesunde Umstände sind – genau so ist das bei Zwängen nach meiner Definition der Fall.

Ich sag hier fälschlicherweise “Willkommen zu Kapitel 1 – ich meine natürlich Kapitel 2” 😉

2.2 Zwangshandlungen

Wie ich Zwangshandlungen erklären würde

Handlungen in Form eines Zwanges können in unterschiedlichster Ausprägung auftreten. Es geht darum durch Wiederholung, Regeln, gewisse Zahlen und Abläufe, übermäßiges Putzen, magisches Denken, Sammeln, Ordnen, usw. einer gewissen Handlung nachgehen zu müssen, bei der du glaubst, dass sie dir einen Nutzen gibt. Typisch dabei ist es gewisse Routinen zu haben, die von außen betrachtet sinnlos scheinen, sich aber einfach „richtig“ für dich anfühlen, z.B. niemanden mit Schuhen in die eigene Wohnung zu lassen, weil sie den Boden verschmutzen könnten und auch der Sauger das nicht regeln könnte, weil es eine „andere Art von Schmutz“ ist. Auch „gute“ und „schlechte“ Zahlen sind typisch in diesen Routinen integriert – zum Beispiel, wie oft du etwas wiederholst oder zählst (z.B. drei Mal die Jacke an und aus ziehen, 5x die Kacheln auf dem Boden zählen, nicht die 7. Stufe berühren, weil sie „böse“ ist). Das magische Denken greift hierbei, also den Glauben zu haben, dass deine Handlungen so viel Einfluss haben, dass du sie nicht unterlassen kannst, bzw. eben Dinge als richtig und gut oder als schlecht, böse und häufig auch als gefährlich einstufst (z.B. „Wenn ich das nicht 3x wiederhole, dann passiert etwas schreckliches.“ oder auch „Wenn ich mir die Hände nicht auch nach dem Anziehen wasche, könnte ich krank werden, auch wenn ich sie mir schon vor fünf Minuten gewaschen habe.“

Der Nutzen, der hinter diesen Zwängen liegt, ist es das unangenehme Gefühl zu stoppen, das auf aufkommt, wenn du den Zwang nicht ausführen würdest. Z.B. kann deine Handlung ein befürchteter Gedanke nicht wahr werden lassen und dir das Gefühl geben, dass du ein Unheil aufhältst, etwas „Schmutziges“ reinigst oder du dich einfach scheinbar sicherer fühlst. Scheinbar deshalb, weil es nicht wirklich Sicherheit ist, die du mit der Zwangshandlung erreichst. Sondern vielmehr ein Aufschieben der negativen Gefühle, die dich dabei umtreiben und du so kurz eine Pause von ihnen bekommst.

Zwangshandlungen werden meistens als unsinnig eingestuft. Du bist dir also bewusst, dass es nichts bringt dreimal die Tür zu schließen oder eine bestimmte Zahlenreihe hochzuzählen, damit nichts Schlimmes passiert. Trotzdem fühlst du dich gezwungen, diese Dinge zu tun.

2.3 Zwangsgedanken

Wie ich Zwangsgedanken erklären würde

Hierbei handelt es sich um aufdrängende Gedanken, Ideen, Bilder und Vorstellungen, die du nicht aktiv mit deiner Meinung oder deinen Werten vertrittst oder die dir sehr unangenehm sind. Sie verunsichern dich und beinhalten dich belastende Themen wie Gewalttaten, Sexualität (aggressive oder in Kontexten, die dir als „nicht richtig“ erscheinen, z.B. mit dem Chef schlafen oder den Partner betrügen, Mord, religiöse Rituale, ekelbesetzte, unhygienische Vorstellungen, usw.) Im Grunde kann alles zu einem Zwangsgedanken werden. Du kannst die aufdrängenden Gedanken auch zu einem Thema haben, das ich hier nicht aufgelistet habe.

2.4 Zwanghaftes Grübeln

Wie ich zwanghaftes Grübeln erklären würde

Das Hin- und Herschieben von Gedanken zu einem Thema, einer Person, einem Umstand oder einer Situation – du weißt, dass es nichts bringt, darüber weiter nachzudenken – tust es aber trotzdem. Du versuchst für (mögliche) Probleme Lösungen zu finden, durchdenkst vorbeugend alle möglichen Optionen, die in Zukunft eintreten könnten und du kannst dich vor allem von diesen Gedankenschleifen nicht distanzieren. Das eigentlich Belastende an diesem zwanghaften Grübeln ist das Gefühl, nichts dagegen tun zu können.

2.5 Alles was dich betrifft, aber nicht gesagt wurde

Kostenlose Hilfe und Anlaufstellen

Wie ich im Video bereits gesagt habe, stellt dieser Onlinekurs keinen Ersatz für eine psychotherapeutische und/oder medizinische Behandlung dar, sondern soll lediglich neue Blickweisen und Perspektiven geben. Falls du mehr Unterstützung brauchst, habe ich dir hier einige Anlaufstellen zusammengefasst.

Wie geht es weiter für dich?